„JEDE ZEIT HAT IHRE AUFGABE,
UND DURCH DIE LÖSUNG DERSELBEN RÜCKT DIE MENSCHHEIT WEITER.“
HEINRICH HEINE

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Mo 04. Apr 2022

"Alles im Fluss" - Das Rheinprojekt von Stephan Kaluza und Gedanken über "Die dritte Natur"

Ein Bericht zu dieser Veranstaltung im Ballsaal Heinrich Heine im Steigenberger Parkhotel ist verfasst. Fotos sind dank der Digitaltechnik Sofortbilder, dem Verfassen eines Textes folglich zeitlich überlegen. Fünfzehn Szenen vom Abend des 4. April 2022, von HF Stephanie Turnsek und HF Dr. Andreas Turnsek digital verewigt, luden seit gestern zur Betrachtung ein. Die Fotogalerie befindet sich wie üblich am Ende des Berichts und der Einbettungen von PDF.

 

Ungeachtet des nasskalten, teils stürmischen Aprils besuchten zahlreich HF den zweiten Jour fixe nach der langen Corona-Pause. Hinzu gesellten sich - herzlich willkommen - viele Gäste aus der Entourage, zeitgemäßer Community des Künstlers Stephan Kaluza. Die Zeit bis zum Auftakt, der Begrüßung und der einleitenden Worte von HF Dr. Andreas Turnsek, gehörte wie üblich dem Austausch und der Einstimmung auf das Abendprogramm. Das eröffnete HF Dr. Andreas Turnsek mit einer brillanten Betrachtung über die Beziehung des kritischen Spätromantikers Heinrich Heine zu seinem geliebten Rhein, die zum Vortrag von Stephan Kaluza überleitete. Der Wortbeitrag von HF Dr. Andreas Turnsek befindet sich in nachstehender PDF.

 

Heinrich_Heine_und_der_Rhein.pdf

 

Eingangs erläuterte Stephan Kaluza anhand einiger Abbildungen die mit dieser einzigartigen fotografischen Kartografie, Rheinprojekt genannt, verbundenen Intentionen und Ideen. Als "Flussläufer", so das Zeit-Magazin, hat er fußläufig das rechte Rheinufer von der Quelle bis zur Mündung bewandert und in nahezu 22.000 Einzelbildern, alle 70 Meter ein Lichtbild, das Gegenüber fotografisch fixiert, somit die zwischen Idylle und Industrie changierende Uferlandschaft in ihrer Komplexität bei einer 15 Zentimeter hohen Bildgröße in ein vier Kilometer reichendes Gesamtbild komprimiert, das in knapp 50 Minuten Wandertempo abgeschritten werden könnte, womit die reale Zeit in dieser Komprimierung gestaucht ist. Wandern, Betrachten und Inventarisieren des Wahrgenommenen, so wie weiland Henry David Thoreau, zeitigen auch weitere Fotoprojekte, wovon in diesem Bericht nur einige Erwähnung finden. Wie die Fotos von Schlachtfeldern - Waterloo und Omaha-Beach beispielsweise, die dokumentieren, wie Grauen, Elend, Leid und Tod schrecklicher Schlachten scheinheilig und spurlos von lieblicher Idylle getilgt worden sind, weil buchstäblich "Gras darüber gewachsen ist". So auch schöne Bilder eines romantisch anmutenden Badegewässers unweit des KZ Auschwitz, die erholsame Sommerfrische verheißen. Verschwinden zeigen auch seine Fotos von der Berliner Mauer, die größtenteils nach dem "Mauerfall" durch urbane Objekte re-territorialisiert worden ist, die einstige Demarkationslinie vom Erdboden getilgt wurde. Diese Re-Territorialisierung von Orten als Akt einer Sur-Codage, sei es idyllische Natur, sei es steingewordene Urbanität, überschreibt schlichweg das Einst zum Jetzt. Neben seinen Fotoprojekten zeigte uns Stephan Kaluza auch Beispiele seiner Malerei.

 

Die vierte Strophe aus dem  Gedicht "Der Rhein" von Friedrich Hölderlin öffnet, so Ansicht des Berichterstatters, das Tor zum zweiten Teil seines Vortrags, der "Dritten Natur" gewidmet. Seine Ansichten als Einsichten führen letztlich zu seiner naturphilosophisch fundierten Auffassung, dass Kunst nimmer Kultur ist, sondern Natur. Kultur ist, so Hölderlin, ein Nachstellen von Natur, die mit dem Akt der Geburt in der Zeitlichkeit des Mensch-Seins durch Not und Zucht entschwunden ist. Zurück bleibt nurmehr die Sehnsucht zur Unschuld des Ursprungs. Natur ist indes pure Fliehkraft im Produktionsprozess des Künstlers, seinem Schöpfungsakt. Sie äußert sich nur erkennbar in den Werken und Schöpfungen als Manifestationen ihrer unerschöpflichen Kraft. Sein Vortrag ist hier als PDF beigefügt.

 

HÖLDERLIN.pdf

 

Die_dritte_Natur.pdf

 

Der Vortrag wurde mit starkem Applaus bedacht. In der anschließenden Diskussion drehte es sich vor allem um den Begriff "Natur" und um die Zeitgemäßigkeit des Begriffes. Für seinen Vortrag erhielt Stephan Kaluza ein Buchpräsent des HHK, überreicht von HF Bernd J. Meloch.

 

(hb)

 

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