„JEDE ZEIT HAT IHRE AUFGABE,
UND DURCH DIE LÖSUNG DERSELBEN RÜCKT DIE MENSCHHEIT WEITER.“
HEINRICH HEINE

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So 17. Jun 2018
Sonderveranstaltung Ruhr Museum auf Zeche Zollverein Essen – mit Damen

Das Zeitalter der Kohle • Eine europäische Geschichte (FOTOGALERIE)

2018 ist "Schicht im Schacht". Mit der Schließung der Zeche Prosper-Haniel im Ruhrgebiet endet der deutsche Steinkohlenbergbau. Damit geht ein wichtiges Zeitalter nicht nur der deutschen, sondern auch der europäischen Geschichte zu Ende. 200 Jahre lang hat die Förderung von Kohle die Wirtschaft in Europa bestimmt. Der Bergbau prägte die Industrie und die Infrastruktur, die gesellschaftlichen Verhältnisse und das .........


soziale Leben. Vor allem im Ruhrgebiet hat die Kohle die Arbeit, den Alltag und die Mentalität der Menschen stark beeinflusst. Die Sonderausstellung präsentiert in den imposanten Hallen der Mischanlage auf der Kokerei Zollverein diese vielschichtige und faszinierende Geschichte der Kohleförderung und ihrer Folgen in Europa.

 

Zum verabredeten Zeitpunkt traf bei idealem Ausflugswetter die Heine Kreis Besuchergruppe vor dem Wiegeturm von Schacht XII auf der Zeche Zollverein ein. Auf Hans-Georg Steuber und Ehefrau Catherine, Jean Pütz, Dieter B. Knoll, Bernd J. Meloch und Henri Berners wartete eine spannende Zeitreise in das Zeitalter der Steinkohle im Ruhrgebiet. Unser Info-Coach Herr Clarke, gelernter Historiker, begrüßte uns und führte uns dann zur Schrägseilbahn, die uns auf das Dach der vormaligen Kokerei transportierte, in der die Ausstellung auf mehreren Ebenen untergebracht ist. Dieser nachträglich für Besucher installierte People Mover befährt im gemächlichen Tempo in luftiger Höh‘ die Strecke bergauf, auf der in Zeiten des Zechenbetriebs die gewonnene Fettkohle zur Kokerei transportiert wurde. Als Ouvertüre ein gelungener Einstieg und Aufstieg zugleich, weil uns das Treppensteigen erspart wurde. Oben angekommen, wurden wir mit einem herrlichen Ausblick belohnt, auf das Gelände der 1986 stillegelegten Zecher Prosper Haniel und auf die Skylines von Essen rundherum.

 

Von dort ging es dann in die Abteilung Kohlewelten, in der die Entstehung der Kohle vor 300 Millionen Jahren aus riesigen Sumpfwäldern (Riesenfarne und Schuppenbäume vor allem) ihren Ausgang nahm. Exponate zu Fettkohle aus verschiedenen europäischen Abbaustätten und das größte Steinkohlenstück aus dem Ruhrgebiet veranschaulichten das Ergebnis dieses Prozesses, der über Torf und Braunkohle letztlich zum „Schwarzen Gold“ führte. In den Kokereien wurde aus der Fettkohle der Koks als Heizmaterial für die Hochöfen gewonnen. Zugleich diente der Koks im Verbund mit Zuschlägen als Reduktionsmittel für das sauerstoffhaltige Eisenerz, das im Hochofen auf seiner Ofenreise aufgeschmolzen wurde, um beim Abstich als Roheisen für die Stahlerzeugung zur Verfügung zu stehen. Das „Abfallprodukt“ Leuchtgas wurde als Stadtgas für Gaslaternen sowie Gasherde und Gasöfen genutzt.

 

Die nächste Themenplattform war dem Thema Bergbau gewidmet. In Modellen und anhand von Exponaten wurde die Geschichte des Bergbaus im Ruhrgebiet von den Anfängen in kleinen Tagebaugruben bis zum Abbau in Tiefen bis zu 1.300 Metern illustriert. Dazu zeigten großformatige Fotos den harten Arbeitsalltag der Kumpels unter Tage sowie veranschaulichten viele Exponate die Entwicklung der Fördertechnologie vom Handwerkszeug über den berühmten Presslufthammer bis hin zu speziell entwickelten Maschinen zum Abhobeln und Fräsen des Rohstoffs in Flözen mit einer Mächtigkeit um 1,20 Meter. Weitere Ausstellungsstücke informierten über die Signaltechnik bei der Grubenfahrt und über die Gefahren durch erstickendes Kohlendioxid und leicht entzündliches Methan, das als „schlagende Wetter“ furchtbare Unglücke ausgelöst hat.

 

Die Entfesselung der Kohle zeigte den bedeutenden Schritt zur Kohlechemie. Mittlerweile hatte die synthetische Chemie in Deutschland große Forschungsfortschritte erzielt. Aus Kohle konnten vielerlei Produkte synthetisch generiert werden, wie Farben, pharmazeutische Artikel, Benzin und Buna, der Ersatzstoff für Kautschuk zur Herstellung von Autoreifen. Mit der gezielten Verwertung der Kohle in der chemischen Industrie wurde die Kohle zum Garant für wirtschaftliche Prosperität, für Beschäftigung und den Ausbau der Infrastruktur. Die kleinen Städte im Ruhrgebiet wuchsen an Einwohnerzahl und auch zu einer Megametropole zusammen, ohne ihr Lokalkolorit preiszugeben.

 

Unten in der Trichterebene der Kokerei angelangt, konnten wir uns mit dem Höhepunkt der Kohlegeschichte nach dem 2. Weltkrieg als Schlüsselfaktor für den Wiederaufbau und als Kernelement der Montanunion auseinandersetzen. Andere Energieträger sowie billige Importkohle läutete dann das Ende dieser zweihundertjährigen Epoche ein. Zechenschließungen waren die Folge.

 

Der Ausklang der Ausstellung gehörte den Kohlemenschen, die in aufgezeichneten Interviews bewegt über ihren Abschied vom Kohlezeitalter an der Ruhr zu Wort kommen. Die Kohle hat ja auch viele Nationalitäten zusammenschweißt und war ein Katalysator für gelingende Integration. Die Pioniere aus Polen, die Schimanskis, Kwiatkowkis und Szepans, und später die Gastarbeiter aus Anatolien, die Ilgüns, Okcans und Yildimiz, sie alle einte die Kohle unter Tage, wo sich jeder auf jeden verlassen musste, um nach harter Schicht „Glückauf“ sagen zu können.

 

Beeindruckt von den vielen Informationen und Impressionen zog es uns ins Café Kokerei, die passende Location, um im geselligen Miteinander nochmals des Gehörte und Gesehene bei Kaffee und Apfeltorte, alkoholfreiem Weizen, Cola light und Bürger Revue passieren zu lassen. Anpfiff 17:00 in Moskau, Heimfahrt nach Düsseldorf über die Mintarder Brücke, die für viele Essener und Düsseldorfer immer noch den Status der Glienicker Brücke in Berlin bis zum Fall der Mauer hat. Die Ruhr ist leider nicht ein Fluss, der verbindet, sondern eine kulturelle Demarkationslinie. Mit den Ausflügen der Heine Freunde nach Essen zur Synagoge, zum Essener Münster und jetzt zur Zeche Zollverein hat Bernd J. Meloch für die Heine-Freunde und ihre Damen einen echten Brückenschlag organisiert und geleistet.

 

Die Fotogalerie bietet mit den von Bernd J. Meloch in Bildern festgehaltenen Impressionen einen kleinen Ausschnitt der vielen Exponate dieser sehenswerten Ausstellung.

 

(hb)

 

 

 

 

 


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