„JEDE ZEIT HAT IHRE AUFGABE,
UND DURCH DIE LÖSUNG DERSELBEN RÜCKT DIE MENSCHHEIT WEITER.“
HEINRICH HEINE

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So 18. Mär 2018
Sonderveranstaltung mit Damen

Domschatzkammer und Domkonzert – Essen (FOTOGALERIE)

Der Essener DOMSCHATZ bewahrt einen Kirchenschatz von europäischem Rang. Der Schatz erwuchs aus dem Leben des Essener Frauenstifts, das um 850 gegründet wurde. Bis zur Auflösung des Stiftes im Jahre 1803 bestimmten die Stiftsfrauen mit der Äbtissin die Geschicke der Stadt. Die große Blüte erlebte das Stift im 10. und 11. Jahrhundert. Von dieser Epoche zeugt die bedeutende Schatzkunst.
Im Anschluss an die 1 1/2 stündige Führung steht ein DOMKONZERT auf dem Programm ..........


 

Mit dem 18. März verbindet sich die Hoffnung auf einen Frühlingstag, doch es herrschte Frost, dazu blies ein eisiger Wind, als sich die neunzehnköpfige Gruppe von Heine-Freunden und ihren Damen gegen halb zwei auf der Dominsel in Essen einfand. Nach Begrüßung und Gruppenfoto begann die Exkursion ins frühe Mittelalter, zunächst noch im Freien. Frau Beate Scholten, langjährig als Museums- und Kirchenführerin engagiert, informierte uns über die Entstehungsgeschichte und die architektonischen Besonderheiten des tausendjährigen Münsters, die führende Rolle der Äbtissinnen, die der Stadt Essen durch ihr segensreiches Wirken ihre Prägung verliehen hatten, und über die Gründung des Bistums Essen zum 1. Januar 1958. Papst Pius XII. hatte das Münster in den Rang einer Kathedrale erhoben und damit das „Interregnum“ zwischen 1803, der Schließung des um 850 gegründeten Frauenstifts durch die Preußen, und der Wiederauferstehung der katholischen Tradition in Essen durch den Titel Ruhrbistum beendet. Ein baugeschichtliches Juwel ist der Kreuzgang, auf dessen Ostmauer die Geschichte des Stifts mit den Namen der Äbtissinnen verewigt ist. Allesamt Damen von blauem Geblüt, darunter  aus dem Hause der Ottonen Mathilde II, Enkelin des Kaisers Otto I., sowie Sophia und Theophanu, gleichfalls aus der Linie der Liudolfinger, die in der Blütezeit im 11. Jahrhundert die bedeutenden Kunstschätze des Essener Domschatzes zusammentrugen und den Einfluss und Reichtum des Stiftes mehrten.

 

Hatten wir ungeachtet der eisigen Kälte eine gefühlte halbe Stunden den interessanten Ausführungen unserer Kirchenführerin gelauscht, konnten wir anschließend in der wohltemperierten Schatzkammer auf drei Etagen die vielen Exponate des Domschatzes bestaunen, darunter die einzigartige, um 980 geschaffene Goldene Madonna. Diese wohl früheste Vollplastik, welche die Madonna mit dem Kind darstellt, ist eine der ältesten Skulpturen des Mittelalters. Weitere bedeutende Zeugnisse frühmittelalterlicher Goldschmiedekunst sind die reich mit Edelsteinen geschmückte Essener Krone, die zur Marienplastik gehört, vier fantastisch gearbeitete und mit Miniaturmotiven und Intarsien geschmückte Vortragskreuze, das Zeremonialschwert in seiner feinst ziselierten Scheide und der goldene Buchdeckel der Äbtissin Theophanu. Neben vielen Handschriften aus dem Mittelalter vervollständigen das Armreliquiar des heiligen Basilius, getriebene Reliefs, filigran geschnitzte Elfenbeinreliefs und Reste des legendären Marsus-Schreins den Kern des Domschatzes. Auch sind die Reliquiare der Stadtpatrone Essens, Kosmas und Damian, ausgestellt, Ärzte aus Kleinasien, die im 4. Jahrhundert hingerichtet und als Märtyrer verehrt werden. Kosmas und Damian flankieren auf dem Stadtsiegel die Gottesmutter. Der sächsische Bischof von Hildesheim, Alfrid, Initiator der Stiftsgründung, hatte die Reliquien der Abtei geschenkt. Ein Denkmal frühmittelalterlicher Bronzekunst ist der siebenarmige Leuchter, der um 1000 gefertigt wurde und als der älteste Leuchter seiner Art gilt. Er steht im Westbau des Domes. Über die genannten Preziosen und Kunstwerke hinaus umfasst der Domschatz noch weitere Exponate, wie Reliquiare, kunstvoll gefertigte Holzschreine und sakrale Artefakte. Als die Familie Krupp in Essen ihren Aufstieg von der Schmiede zum Stahltycoon begann, wurde beschlossen, dass in jeder Generation zum Andenken an den Bischof, der mit der Stiftsgründung die Keimzelle der Stadt Essen in die westfälische Erde pflanzte, ein Sohn den Namen Alfrid trägt.

 

Zum Abschluss der Führung durch die Schatzkammer verabschiedeten wir unsere kundige Führerin, Frau Beate Scholten, mit Worten des Danks für die spannende Reise durch die Geschichte des Stifts Essen, eine tausendjährige Herrschaft hochadliger Frauen, die das Wachstum von Essen fürsorglich gefördert und den bedeutenden Ruf dieser Stadt am Hellweg, einer der Lebensadern Europas, schon lange vor der Industrialisierung begründet haben.

 

Nach kurzer Pause nahmen wir im Westbau auf den Kirchenbänken Platz, wo uns ein wunderbares Klangerlebnis erwartete. Auf dem Programm standen die Kreuzstabkantate von Johann Sebastian Bach und die Stabat Mater, das sakralmusikalische Meisterwerk von Giovanni Battista Pergolesi, der im frühen Alter von 26 Jahren verstarb und der Welt mit seiner Vertonung dieses Hymnus für Alt, Sopran, Streicher und Cembalo ein wertvolles Geschenk hinterlassen hat.

 

Unter der Leitung von Professor Robert Wippermann, vormals Rektor der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf, bestand das Ensemble aus einem Kammerorchester, das die Musik mit zeitgenössischen Instrumenten intonierte, dem weltberühmten Mädchenchor des Essener Domes und den Sängern Anja Paulus (Sopran), Kelley Sundin (Mezzosopran) und Christian Palm (Bass). Dieses musikalische Erlebnis, das unter dem Titel Chor-Sinfonik aufgeführt wurde, begeisterte eine Stunde das Auditorium.  Die Kreuzstabkantate wurde, begleitet von einem brillant eingespielten Orchester und zeitweilig untermalt von den himmlisch-herrlichen Stimmen des Mädchenchors, vom Sänger Christian Palm in ergreifender Weise vorgetragen, darunter schwere Partien, die Bach seinerzeit den Sängern abverlangte. Es folgte Stabat Mater, vom Orchester meisterhaft zum Klang gebracht. Hier brillierten die beiden Sängerinnen in ihren Soloparts mit best ausgebildeter Stimmkunst, Höhepunkte waren die Duette. Der Mädchenchor ummantelte stimmlich in dreistimmigen Passagen die vokale Darbietung der Künstlerinnen. Der dezente Kontrast, hier die klare, fugentektonisch arrangierte Komposition von Bach, dort die mitunter mediterrane Leichtigkeit des Seins in der Vertonung von Pergolesi, der auch Opern komponiert hatte, macht den Zauber dieser Chor-Sinfonik aus. Die Magie der Klänge und Stimmen konnte sich dank der hervorragenden Akustik des Westbaus in ihrer vollen Pracht entfalten.

 

Bis dahin absolute Stille unter den zahlreichen Besuchern, brach mit Ende des Konzerts frenetischer Beifall aus, den die Künstler in der ihr gebotenen Contenance entgegen nahmen. Es war eine sehr gelungene Darbietung musikalischer Meisterkompositionen aus der Renaissance.

 

Den Ausklang der Reise nach Essen bildete ein geselliges Zusammensein in einem italienischen Restaurant. Selbst nicht zugegen, da in Düsseldorf Pflegehund Beckham, ein Russel-Terrier, sehnsüchtig wartete, ist es sicher, dass es ein stimmungsvoller Ausklang war, wie ihn nur Heine-Freunde mit ihren Damen feiern können.

 

An dieser Stelle herzlichen Dank und großes Kompliment an BJM, der mit der Organisation der Sonderveranstaltung und der Wahl der Sujets dieses Sonntagausflugs in die Kultur eine gute Nase und ein geschicktes Händchen bewiesen hat. Er hat uns intensive und nachhaltige Sinneseindrücke für Augen und Ohren geboten, aber auch an die Bedürfnisse unserer Gaumen gedacht.

 

(hb)

 

 

 

 


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