„JEDE ZEIT HAT IHRE AUFGABE,
UND DURCH DIE LÖSUNG DERSELBEN RÜCKT DIE MENSCHHEIT WEITER.“
HEINRICH HEINE

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Mo 03. Sep 2018
Jour fixe
mit Damen Anmeldung erforderlich

Spielplan des Düsseldorfer Schauspielhauses • Generalintendant Wilfried Schulz (FOTOGALERIE)

Gastreferent Generalintendant Wilfried Schulz stellt den Spielplan 2018/2019 des Düsseldorfer Schauspielhauses vor.
Wilfried Schulz wurde 1952 in Falkensee bei Berlin geboren. Er studierte an der Freien Universität Berlin und der Nouvelle Sorbonne in Paris Theaterwissenschaft, Politologie und Germanistik und schloss sein Studium mit einer Arbeit über ........


das Theater der Ariane Mnouchkine ab. Von 1976 bis 1981 war er Hochschulassistent an der Hochschule der Künste Berlin, bevor er als Dramaturg zu Peter Stoltzenberg an das Theater der Stadt Heidelberg wechselte, wo er den Stückemarkt mitbegründete.
Unter der Intendanz von Ivan Nagel arbeitete Schulz von 1986 bis 1988 als Dramaturg am Staatstheater Stuttgart.
1988 begann die Zusammenarbeit mit dem Intendanten Frank Baumbauer, zunächst als Chefdramaturg des Theaters Basel und von 1993 bis 2000 als Chefdramaturg des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg.
Von 2000 bis 2009 war Wilfried Schulz Intendant des Schauspiel Hannover, wo er in der Spielzeit 2007/08 das Junge Schauspiel Hannover als eigene Jugendtheatersparte gründete.
In der Spielzeit 2009/10 übernahm Wilfried Schulz die Intendanz des Staatsschauspiels Dresden.
Seit der Spielzeit 2016/17 leitet er das Düsseldorfer Schauspielhaus als Generalintendant. 

 

Der Gastreferent des ersten Jour fixe nach der Sommerpause, Wilfried Schulz, Generalintendant des Düsseldorfer Schauspielhauses, traf im Saal Peter von Cornelius des Steigenberger Parkhotels ein erwartungsvoll gestimmtes Publikum an, eine - im Theaterjargon - ausverkaufte Vorstellung. Zahlreich waren Heine-Freunde und ihre Damen sowie Gäste erschienen, um aus dem Munde des künstlerischen und geschäftlichen Leiters der städtischen Düsseldorfer Bühnen Wissenswertes über sein Engagement in Düsseldorf, seine nächsten Pläne, seine Vorstellungen über die Rollen des Theaters sowie seine Intentionen und Ziele zu erfahren. Höchst selten besteht die Gelegenheit zu einer „Generalaudienz“ in dieser privatimen Ausrichtung. Doch der Reihe nach.

 

Prolog: Bernd J. Meloch übernahm den Part des Majordomus, da Dr. Andreas Turnsek aus beruflichen Gründen an der Teilnahme verhindert war. BJM begrüßte den Gastreferenten im Namen des Heinrich Heine Kreises und dankte für seinen Hermesdienst Heine-Freund Dr. Michael Strahl, der den Kontakt zu Wilfried Schulz vermittelt hatte. Aus der Schar der Gäste begrüßte er Dr. Michael Caspari, Vorsitzender des Yehudi Menuhin Live Music Now Rhein - Ruhr e.V. Dr. Caspari wird auf Wunsch des Heine Kreises Musikstudenten aus dem Ensemble Live Music Now auswählen, die das musikalische Rahmenprogramm der Adventsfeier im Dezember 2018, Vergabe der Förderpreise des Heinrich Heine Kreises, und der Veranstaltung zur Auszeichnung Zivilcourage 2019 des Heinrich Heine Kreises 2019 im März arrangieren und bestreiten. Dr. Michael Strahl setzte den Prolog fort, indem er die zwei Wirkjahre von Wilfried Schulz in Düsseldorf als eine Erfolgsgeschichte würdigte, die sich auch in Zahlen von 220.000 Zuschauern für die letzte Spielzeit, ein Rekordergebnis, signifikant beziffert. Er wies noch auf das an das Junge Schauspielhaus angedockte Projekt „Theater auf Rezept“ hin, das mit dem diesjährigen Förderpreis bedacht wird. Dann gehörte Wilfried Schulz die Bühne für einen beeindruckenden Einakter. Chronist kann dieses Hörerlebnis nur in einer Zusammenfassung beschreiben. Schrift ist nun mal der Tod der Narration, wie im Flug aufgespießte Schmetterlinge (hb).

 

Eingangs seines Vortrags beschrieb Wilfried Schulz, von Haus aus Dramaturg, das Theater als eine Art von Manufaktur, einer Produktionsform, die unverwechselbare Unikate herstellt, nimmer seriell prozediert. 350 Mitarbeiter aus den verschiedensten Berufsgruppen sind an diesen Prozessen beteiligt, vom Bühnenbildner bis zum Souffleur. Nur gut zehn Prozent der Mitwirkenden stehen auf der Bühne. Insgesamt 25 bis 30 neue Stücke pro Spielzeit werden bis zur Bühnenreife für rund 850 Vorstellungen einstudiert und inszeniert, die an den Spielorten des Düsseldorfer Schauspielhauses und im Jungen Schauspielhaus aufgeführt werden. Sämtliche Stücke des Spielplans gehören zur Produktionskategorie A, sodass mit diesem qualitativ hochwertigen und quantitativ vielschichtigen Portfolio an Bühnenkunst die Landeshauptstadt Düsseldorf wieder zu den großen Häusern in Deutschland zählt, ein Rang, der numerisch dank der hohen Besucherzahlen erreicht wurde und durch diese belegt wird.

 

Angesichts seines kulturellen Stellenwerts und auch seiner andragogischen Bedeutung ist das Theater ein unverzichtbares Kommunikationszentrum für die Stadtgesellschaft, das sich den Anspruch setzt, alle Schichten und urbanen Lebensformen zu erreichen und zu gewinnen. In dieser kommunalen Verankerung und der tragenden Rolle einer Begegnungsstätte für sämtliche Bürger aller Altersgruppen, sozialen Bezugsgruppen und Einkommenscluster versteht das Theater seine Hauptaufgabe darin, freie Emotions- und Denkräume zu etablieren, um in erster Linie die gemeinschaftbildende Kraft der Empathie zu vermitteln und einzuüben, die in der akzelerierten Leistungs- und Konsumgesellschaft als zwischenmenschliches Bindemittel kaum noch wirksam ist. „Kunst muss nicht Recht haben“, so Wilfried Schulz, sie gibt Anstöße und Impulse für die Auseinandersetzung mit vielfältigen Geschehnissen und Entwicklungen der Lebenswelt. Theater hat allemal diese gesellschaftliche Verpflichtung des Spiegelns und Aufzeigens der gesellschaftlichen Verhältnisse, Theater wird in dieser aufklärerischen Funktion von der Gesellschaft gebraucht. In dieser Orientierung engagiert sich das Düsseldorfer Schauspielhaus auch in der Stadtteilarbeit und mit der Einrichtung der Bürgerbühne.

 

 

Für die Initiation, Entfaltung und Etablierung eines breiten gesellschaftlichen Diskurs, der integrativ und inspirativ möglichst viele Bürger zur Teilhabe animiert, muss das Theater viele gesellschaftliche Themen ansprechen und im Schauspiel wortreich zur Sprache bringen. In dieser Intention wird auch der Spielplan zusammengestellt.

 

Wilfried Schulz stellte zum Abschluss seines brillanten Monologs einige Stücke des kommenden Spielplans vor, die für diesen Anspruch ausgewählt worden sind.

 

„Menschen im Hotel“ von Vicki Baum, „Das Schloss“ von Franz Kafka, „Bilder deiner großen Liebe“ von Wolfgang Herrndorf. Diese Aufführungen finden im Schauspielhaus sowie im Central statt. Die Bürgerbühne bringt „Eva und Adam“ – Tatsachen über Frauen und Männer und alles dazwischen zur Aufführung. Eine Favorisierung eines Stücks verbietet sich nach der Arbeitsmaxime „Kunst ist frei“, so das Schlusswort von Wilfried Schulz.

 

Sein mitreißender und charmanter Auftritt wurde mit einem kräftigen Applaus bedacht. Auf sein Verhältnis zu Gustav Gründgens gefragt, gab er eine dezidierte Auskunft zum Künstler, aber auch zum Mitläufer in der NS-Epoche. Mitschnitte von Aufführungen für eine Mediathek, so eine Anregung von Heine-Freund Jean Pütz, bringen seiner Auffassung nach schon aus aufzeichnungstechnischen Gründen nicht den gewünschten Effekt, das Nachwuchspublikum anzusprechen. Heine-Freund Jens Prüss gab seiner Bewunderung Ausdruck, wie es Wilfried Schulz geschafft habe, diese großartige Wende, „Kulturrevolution“ (hb), in so kurzer Zeit hinbekommen zu haben.

 

Für seinen ausgezeichneten Vortrag überreichte ihm BJM einen Bildband vom renommierten Künstler und Heine-Freund Günther A. Steinmann zur Erinnerung an eine Sternstunde und fand dankende Worte, denen sich Dr. Michael Strahl anschloss.

(hb)

 

 

 

 

 

 


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