„JEDE ZEIT HAT IHRE AUFGABE,
UND DURCH DIE LÖSUNG DERSELBEN RÜCKT DIE MENSCHHEIT WEITER.“
HEINRICH HEINE

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Mi 23. Jan 2019
50 Jahre "Boot"

Die "Inspiration" des Herbert Dahm

Vor 50 Jahren gründete der 89-Jährige Heine-Freund Herbert Dahm die Boot mit. Auch in diesem Jahr ist er dabei - mit einer besonderen Yacht im Angebot. „Sie ist ein vollendetes Schiff', sagt Dahm. Er steht vor einem Modell der Inspiration - das Original liegt gerade in Palma de Mallorca. 35 Jahre lang ist Dahm mit der Inspiration gesegelt, bis zum vergangenen Jahr. Nun muss er sie verkaufen - aus gesundheitlichen Gründen. Dabei wirkt der 89-Jährige noch sehr fit, nur will der Rücken halt nicht mehr so.»»»»»»»


Zwölf Knoten unter Segeln, zwölf Knoten mit dem Motor - so schnell läuft die Inspiration. Sie ist ein eigentümlicher Hybrid: Auf der einen Seite eine Renn-Yacht, mit der Dahm 20 Mal an Weltmeisterschaften teilgenommen hat - davon fünf Mal mit einem Platz auf dem Siegertreppchen.
Gleichzeitig ein hochkomfortables Cruising-Schiff, das unter Deck alles zu bieten hat, was man sich auf See - oder an Land - wünschen könnte: Küche, Bar, SaIon, Waschmaschine, Fernseher, ein begehbarer Maschinenraum, eine Kabine mit Doppel- oder Einzelbetten (je nach Wahl). Am Heck hat die Inspiration eine hydraulische Klappe, hinter der man sein Beiboot aufbewahren kann. Ist sie ausgefahren, kann das Beiboot dort elegant festgemacht werden - oder man klettert von dort für ein Bad ins Meerwasser. Die Bugschraube ist ausfahr- und drehbar - als Notantrieb, falls sich mal eine Leine im Propeller verfängt. Und die Liste geht noch weiter. „Man könnte noch eine Stunde über all die Besonderheiten dieser Yacht sprechen", sagt Dahm. Vier Schiffe ließ er bauen, bevor dieses, das fünfte, ihn endlich zufriedenstellte. Mit Ende dreißig hatte er sich zur Ruhe setzen wollen. Angefangen hatte er als Fernseh- und Radioverkäufer, später entwickelte seine Firma Software für die Bundesdruckerei und das Gerichtswesen. Herbert Dahm, der Selfmade-Millionär. Nun wollte er die Welt umsegeln. Auf der Suche nach dem richtigen Schiff zog er über die internationalen Messen. In Holland stieß er auf die kleine Werft Jongert, 15 Angestellte. Zwischen ihm und dem Inhaber sei eine Freundschaft entstanden - da habe er sich überlegt, er könnte doch die Generalvertretung für Jongert übernehmen. So einfach erzählt Herbert Dahm das. Als er vor ein paar Jahren bei Jongert ausstieg, hatte die Werft 250 Mitarbeiter - und Dahm war bekannt als Mr. Jongert. Denn 1969 hob er mit anderen Mitstreitern die Messe Boot aus der Taufe - und versetzte die Besucher über die Jahre immer wieder mit seinen Ideen in Staunen. Sein Ziel sei immer gewesen, Schiffe zu bauen, die etwas besonderes sind, sagt Dahm. Seine zweite Yacht beispielsweise hatte Fenster im Rumpf. „Meine Frau wäre nicht mitgesegelt, wenn sie in so einen fensterlosen Keller hätte hinabsteigen müssen." Inzwischen, sagt er verschmitzt, gebe es praktisch keine Yacht mehr ohne Fenster im Bug. So sollte die Inspiration, sein Meisterstück, sein: Inspiration für die Branche. Ob er einen Käufer auf der Messe findet, weiß er nicht. „Nur mit einem Modell ist es ein bisschen schwierig." Traurig sei er nicht, dass er sie verkaufen müsse, sagt er. „Solange ich sie an den richtigen abgeben kann..."  

(Quelle: Helene Pawlitzki | RP | 23.01.2019)


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