„JEDE ZEIT HAT IHRE AUFGABE,
UND DURCH DIE LÖSUNG DERSELBEN RÜCKT DIE MENSCHHEIT WEITER.“
HEINRICH HEINE

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Mo 03. Aug 2020

"Knigge – Altmodisch oder doch noch aktuell?" (FOTOGALERIE)

Nach einer fünf Monate währenden Abstinenz von den geselligen Veranstaltungen des HHK konnte endlich am 3. August 2020 wieder das physische Vereinsleben mit einem Jour fixe starten. Natürlich im Rahmen der für das Gaststättengewerbe und die Hotelbranche verbindlichen Regularien, heißt, eine Beschränkung auf maximal 48 Teilnehmer. ..................

Da bereits im späten Frühjahr Hoffnung auf eine Teilöffnung des Steigenberger Parkhotels nebst Gesellschaftsräumen bestand, hielt Bernd. J. Meloch laufend Kontakt mit dem Veranstaltungsmanagement, um die nötigen Vorbereitungen zu treffen. Der Erfolg seiner Organisationsarbeit drückt sich signifikant und erfreulich in der Zahl 45 der am frühen Abend erschienenen Heine-Freundinnen und Heine-Freunde aus.

 

Angesichts dieses großen Zuspruchs fand die Begrüßung durch den Vorsitzenden Dr. Andreas Turnsek in einer euphorisch gestimmten Ansprache statt. Er brachte seine große Freude zum Ausdruck, alle gesund wiederzusehen und nun mit diesem Auftakt die noch verbleibenden Veranstaltungen des Vereinsjahres einschließlich der traditionellen Adventsfeier, diesjährig im Maritim Hotel Düsseldorf, realisieren zu können. Kurz erwähnte er die noch anstehenden Jour fixe und die MV.

 

Referent des Abends war HF Norbert Wetzig, der uns mit vielen Beispielen in humorvoller Weise über den Wert des allseits bekannten Benimm-Klassikers Knigge im Wandel gesellschaftlicher Umgangsformen sowie über die "territoriale" Begrenztheit deutscher Knigge-Regeln in anderen Ländern informierte.

 

Seiner Selbstwahrnehmung nach war er ein gut erzogener Junge, der brav seinen Teller leer aß und die Regeln des Anstands beherrschte. Seine Vorliebe, Speisen nachzuwürzen, gefiel aber seiner damaligen Freundin nicht. Deshalb schenke sie ihm zu Weihnachten einen kleinen Krigge mit Regeln fürs gute Benehmen. Knigge war für ihn künftig der verlässliche Navigator, stets mit vorbildlichem Benehmen und mit den eingefleischten besten Umgangsformen in seinem beruflichen Engagement und in gesellschaftlichen Kreisen angenehm aufzufallen. Als Betriebswirt und Gebäudereinigungsmeister führt er ein großes Gebäudereinigungsunternehmen in Erkelenz und steht von daher in geschäftlichen Beziehungen zu Inhabern und Geschäftsführern großer Unternehmen sowie zu Topmanagern. Hier ist gutes Benehmen als Serviceleister natürlich Geschäftsprinzip. Da er auch im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit mit einigen Bildungsträgern Kurse für mit Arbeit unversorgte Menschen für die Branche Gebäudereinigung durchführt, hat er es auch mit Menschen zu tun, von denen einige andere Umgangsformen pflegen. Doch auch in der Reinigungsbranche ist Höflichkeit und Anstand Kernfaktor für Kundenzufriedenheit.

 

Im Rahmen seiner geschäftlichen Auslandsaufenthalte musste er indes feststellen, dass der Knigge in vielen Ländern keine Gültigkeit besitzt. Einige Beispiele sollen das verdeutlichen. Das Speisen mit Messer und Gabel ist in Thailand verpönt. Hier benutzt man nur Löffel. Den Teller leer zu essen, ist bei Chinesen ein Fauxpas, weil dies signalisiert, man habe zu wenig aufgetischt bekommen. Das nachträgliche Würzen von Spaghetti mit Parmesan in Rom verärgerte den Koch merklich, weil damit seine Kochkünste diskreditiert wurden. Gleiche Verärgerung in Portugal beim Griff nach der Pfeffermühle. In Georgien letztlich ist es üblich, ein Glas Rotwein auf Ex zu leeren, um nicht die Gastfreundschaft zu verletzen. Ergo. Man sollte sich vor dem Besuch eines Landes über die Gepflogenheiten schlau machen. Zu Irritationen können auch Gesten und Handzeichen führen, wie beispielsweise die ausgestreckte offene Handfläche in Griechenland, die als Rechnungsbegleichung mit 5 Euro gedeutet wird. Oder übereinander geschlagene Beine mit hochgestellten Schuhsohlen, die in Asien als Beleidigung aufgefasst werden, weil die Fußsohle als Zeichen für Schmutz als eine Erniedrigung des Gegenübers gewertet wird. Fettnäpfchenalarm gab es auch bei den verschiedenen Varianten der Bussi-Kultur und des Shakehands bei Begrüßungen.

 

Der nächste Exkurs war der Frage gewidmet, ob es im Zuge der Gleichberechtigung noch zeitgemäß ist, sich Damen gegenüber als Gentleman zu erweisen. An welcher Seite der Dame hat der Mann seinen Mann zu stehen? Das Aufhalten von Türen, den Stuhl zurechtrücken, in den und aus dem Mantel helfen, vor allem die Frage des Vortritts von Damen beim Treppensteigen, die erst durch die Saumlänge des Rocks oder Kleides entschieden werden kann. Im Fazit kann konstatiert werden, dass man mit guten Manieren stets einen guten Eindruck abgibt und bella figura an den Tag oder Abend legt.

 

Anhand einer Folienpräsentation wurden wir mit dem Freiherrn Adolph Franz Friedrich Ludwig Knigge bekannt gemacht, Autor des Buches "Über den Umgang mit Menschen", heute kurz Knigge genannt. Viele Benimm-Regeln wurden später vom Verlag in das Buch aufgenommen. Erzsünden in guter Gesellschaft sind aber allen Moden zum Trotz immer noch Unaufmerksamkeit, schlaffer Handschlag, Rauchen, das Glas falsch halten, ohne Sakko bzw. mit offenem Sakko auftreten, zu viel Alkohol trinken, zu wenig Abstand halten, laut reden, die Hand auf die Schulter legen und zur gleichen Zeit reden.

 

Zum Abschluss testete HF Norbert Wetzig anhand von sieben Fallbeispielen in Multiple-Choice-Manier, wie kniggefest wir sind. Dabei handelte es sich um Standardsituationen, die zu meistern einfach Pflichtmanieren sind. Ein schönes Zitat von Ralph Waldo Emerson bestätigt den Wert von guten Manieren bis in die heutige Zeit. "Das Leben ist kurz, aber man hat immer Zeit für Höflichkeit."

 

Für seinen facettenreichen Vortrag erhielt HF Norbert Wetzig großen Applaus vom Auditorium. Vom Vorstand wurde ihm zur Anerkennung, durch seine didaktische Aufbereitung dieses vielschichtigen Metiers einen exzellenten Benimm-Kurs für Fortgeschrittene vorgetragen zu haben, ein Buchpräsent überreicht.

 

Es war ein zum Auftakt des Vereinslebens gelungener wunderschöner Abend mit dem passenden Thema.

 

(hb)

 

 

 

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