„JEDE ZEIT HAT IHRE AUFGABE,
UND DURCH DIE LÖSUNG DERSELBEN RÜCKT DIE MENSCHHEIT WEITER.“
HEINRICH HEINE

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Do 28. Mär 2019
Jour fixe Plenarsaal - Rathaus

Auszeichnung für Zivilcourage des Heinrich Heine Kreis e.V. 2019 (Video, Fotos, Reden)

 (Fotos, Video: www.heine-kreis.de • TERMINE)

Erstmalig seit Gründung des Heinrich Heine Kreis e.V. wurde an eine Tradition des Freundeskreises Heinrich Heine, die Verleihung der Auszeichnung für Zivilcourage, wieder angeknüpft. In einer gemeinsamen Sitzung des Vorstands mit den Mitgliedern unseres Kuratoriums im letzten Jahr wurden Preisträger und Laudatorin ausgewählt. Dank der Vermittlung des Heine-Freunds und Mitglieds des Kuratoriums, Oberbürgermeister Thomas Geisel, fand die Verleihung erstmalig im Plenarsaal des Rathauses der Landeshauptstadt Düsseldorf statt. Heine-Freunde werden sich erinnern, dass in der Vergangenheit dieser Festakt mehrmals im Schlösschen des Regierungspräsidenten begangen wurde.  »»»»»»»

Kurz vor dem musikalischen Auftakt des Festaktes, Assobia a jato von Villa-Lobos und Pavane von Fauré, bewegend intoniert von Catarina Alexandra Koppitz, Cello, und Carlos Araújo, Querflöte, war der Plenarsaal bis auf den letzten Platz gefüllt. Auch die Vertreter der Düsseldorfer Zeitungen hatten schon ihre Plätze auf der Pressetribüne eingenommen, als Oberbürgermeister Thomas Geisel, der als Heine-Freund und Mitglied des Kuratoriums der Gastgeber dieser festlichen Veranstaltung war, zu den letzten Klängen der jungen Musiker, Mitglieder im Ensemble Live Music Now Rhein-Ruhr e.V., ans Rednerpult trat. Sind Parlamentsräume Orte, die Zivilcourage erfordern? In einigen Ländern dieser Erde müsste schon ein erhebliches Maß an Zivilcourage aufgebracht werden, eine Meinung frei zu vertreten und zu verkünden. In einigen Ländern immer noch, in anderen Ländern schon wieder.

 

Thomas Geisel stellte eingangs den Plenarsaal als einen Ort vor, an dem schon viele Auszeichnungen verliehen worden sind. Er verwies auf die Heine-Preise der Landeshauptstadt Düsseldorf, jüngst an Leoluca Orlando, den Bürgermeister von Palermo, und baute der Zivilcourage damit eine Brücke zur anstehenden Auszeichnung an Jacques Tilly, die wegen ihrer Wertigkeit und Dignität angemessen an diesem Ort stattfände. In seiner Rede hob er insbesondere die Bedeutung von Jacques Tilly hervor, mit seinen mittlerweile weltweit bekannten Mottowagen ein wichtiger Botschafter der Stadt zu sein. Weil es ihm stets gelingt, mit seinem einmaligen Kunstgriff, aus Pappmaché beeindruckende Bilder zu gestalten, die wie Ikonen herbe Missstände, himmelschreiende Ungerechtigkeiten und vor allem demokratiegefährdende und menschenrechtsverletzende Entwicklungen anprangern - auf den ersten Blick erkennbar und erfahrbar. Aber auch, weil er sich, wie mit dem Heine-Wagen 2018 und 2019 dem Toleranzwagen - Toleranz wagen - für ein friedliches Miteinander der Religionen engagiert. Er schafft dies mit einer Sprache, die zu Herzen geht, mit Humor und Satire. Einige seiner Kreationen würde er auch als in seiner Drastik treffsicheres Kommunikationsmittel zur Verfügung stellen, wie beispielsweise den Theresa-May-Wagen für den Anti-Brexit-Protest in London oder den Greta-Wagen für die Düsseldorfer Schülerinnen und Schüler der „Fridays-for-Future“-Kampagne. Mit diesen Aktivitäten erzeuge er mediale Aufmerksamkeit und Reichweite weltweit, die dem Image der Stadt, dem Geburtsort von Heinrich Heine und Ort einer liberalen Gesinnung, weitere Strahlkraft verleihen. Jacques Tilly zahle aber auch einen Preis für sein couragiertes Engagement in Form von üblen Beschimpfungen, Beleidigungen, Hassmails bis hin zu Morddrohungen. Der Höcke-Wagen 2019 war der Kulminationspunkt an anonym geäußerten Hasstiraden und Gewaltandrohungen. Jacques Tilly, so Thomas Geisel in seinem Schlussplädoyer, wäre angesichts dieser unermüdlichen Zivilcourage der ideale und würdige Preisträger dieser vom Heinrich Heine Kreis e.V. nach einer dreieinhalbjährigen Pause erstmals wieder gestifteten Auszeichnung. Mit starkem Applaus wurde seine Ansprache honoriert.

 

Dr. Andreas Turnsek ergriff dann als Vorsitzender des Heine Kreis das Wort. „Ein kleiner dicker Berliner wollte mit der Schreibmaschine eine Katastrophe aufhalten…“, so leitete er seine Rede mit einem Zitat von Erich Kästner über Kurt Tucholsky ein. Seine Rede war thematisch und historisch der Zivilcourage gewidmet. Kurt Tucholsky, Heinrich Heine, Leoluca Orlando, Aloys Odenthal, die Toten Hosen traten als Bekenner für Freiheit, Völkerverständigung, Friede und Menschengerechtigkeit auf. Sie alle verbindet durch die Zeiten eine gemeinsame Linie miteinander und mit dem Künstler und Kommunikator Jacques Tilly: öffentlich praktizierte Zivilcourage. Eine literarische Rede, die in einem Bericht paraphrasiert nicht den tiefsinnigen Gehalt und die Wortkraft wiedergeben könnte, mit der sie von Dr. Andreas Turnsek verfasst und vorgetragen wurde, für die er mit reichlichem Applaus bedacht wurde. Sie wird deshalb in Kürze als Manuskript beigefügt.  

 

Die Laudatio hielt Frau Dr. Sabine Brenner-Wilczek, Leiterin des Heine-Instituts. Sie zog eine enge Verbindung zu Heinrich Heine und beleuchtete das zivilcouragierte Schaffen und Wirken von Jacques Tilly mit ausgewählten Heine-Zitaten, die pointiert die praktische Philosophie des Karnevalswagen-Künstlers ans Licht brachten. Jacques Tilly gelesen mit Heinrich Heine war sicher der Anspruch ihrer Rede, eine Kritik des zivilen Ungehorsams in kantischen Sinne angesichts der Gefahren für Freiheit, Demokratie und Toleranz, die unser friedliches Miteinander und die Freundschaft unter den Völkern bedrohen. Die Zitatensammlung ist angefragt und wird als Dokument beigefügt.

 

Die Übergabe der Auszeichnung nahmen gemeinsam Dr. Andreas Turnsek, Dr. Sabine Brenner-Wilczek und Oberbürgermeister Thomas Geisel vor.

 

Das Mikrofon gehörte dem Preisträger für seine Ansprache, die er mit dem Satz „Den guten Seemann erkennt man erst bei schlechtem Wetter“ einleitete. Das Moment der Gefahr hob Jacques Tilly sofort ins Zentrum seiner Dankesrede, denn drohende Gefahr ist der Moment der Entscheidung, sich feige davonzuschleichen oder mutig und standhaft zu bleiben. Noch schütze ihn hier in Deutschland das Gewand der Rechtsstaatlichkeit, dies sei in anderen Länder längst noch nicht sowie nicht mehr der Fall, wie beispielsweise in den engsten Nachbarstaaten Polen und Ungarn, geschweige in Russland und China. Dort habe Zivilcourage eine tiefere Dimension und schwerwiegendere Bedeutung, die zum Verlust der Freiheit und gar des Lebens führen könne. Seine Narrenfreiheit sei hier geschützt, auch wenn ihn immer mehr aus der feigen Anonymität agierende Mitmenschen mit Hass und Drohungen konfrontierten. Statt Einschüchterung erzeuge das die Kraft, nicht nachzulassen. Die Ehre, die ihm mit der Auszeichnung erwiesen wäre, wäre die Triebfeder, sein Schaffen fortzusetzen.

 

Den Schlusspunkt setzte Heine-Freund Reiner Goernemann mit einem beeindruckenden Auftritt. Er ließ mit der Rezitation der „Doktrin“ von Heinrich Heine, „Schlage die Trommel und fürchte Dich nicht .“ die tiefe Leidenschaft und Ausdruckskraft seiner Schauspielkunst in den wenigen Sätzen aufleuchten. Das „Stoßgebet“ von Heine folgte noch als Schlussakkord, metaphorisch gesehen der Schlussstein der Architektur gotischer Kathedralen, der die in steile Höhen aufragenden Pfeiler für die Ewigkeit fügt. Großer Applaus für großes Theater.

 

Untermalt wurden die Zwischenpausen durch die von beiden jungen Künstlern brillant zur Aufführung gebrachten trefflich gewählten musikalischen Leckerbissen, von Bachs Suite in h-Moll bis Habanera von Saint-Saens. Hierfür wurden sie mit viel Beifall bedacht.

 

Leckerbissen. Zum Ausklang erwartete alle ein Flying Buffet im Foyer des Plenarsaals. Zeit zum Austausch, zu ersten Kommentaren über den fantastischen Festakt. Die Atmosphäre wurde von den Eindrücken, Emotionen und Erlebnissen des Abends gestimmt, der langsam in eine milde Nacht überging.

 

Nachbemerkung oder Blick hinter die Kulissen: Knapp 80 Stunden vor Beginn der Veranstaltung traf die Bitte aus dem Rathaus ein, den Beginn des Festaktes auf 18 Uhr vorzuverlegen, da für Heine-Freund und Gastgeber OB Thomas Geisel noch ein Termin mit höchster Priorität kurzfristig in seinen Kalender aufgenommen worden wäre. Diese Meldung bedeutete weitaus mehr als ein um eine Stunde gekürzter Countdown:  eine riesige organisatorische und logistische Herausforderung stand plötzlich an. Bernd J Meloch hat nicht lange gefackelt und wie ein erfahrener Kapitän auf hoher See zielorientiert und umsichtig das Ruder auf neuen Kurs gesetzt und alles Erforderliche angepackt. Mission possible: Alle teilnehmenden Gäste des Abends wurden sofort in Kenntnis gesetzt und die beteiligten Akteure informiert, sodass im Ergebnis dieser konzertierten Aktion insgesamt das geplante Programm mit allen Facilities ungeachtet dieser Zeitumstellung reibungslos mit Charme und Glanz über die Bühne, den Plenarsaal im Rathaus zu Düsseldorf ablief.

 

Die Manuskripte der Redebeiträge von Dr. Andreas Turnsek und Jacques Tilly sowie die Zitatensammlung von Frau Dr. Sabine Brenner-Wilczek sind als DOWNLOAD PDF aufrufbar.

 

Die komplette Videoaufzeichnung kann bei YouTube unter dieser URL angeklickt werden.

youtu.be/kFKGDfZDwyQ

 

(hb)

 

 

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