„JEDE ZEIT HAT IHRE AUFGABE,
UND DURCH DIE LÖSUNG DERSELBEN RÜCKT DIE MENSCHHEIT WEITER.“
HEINRICH HEINE

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Mo 07. Nov 2022
Ab 18:30 Uhr im Steigenberger Parkhotel ANMELDUNGEN ERBETEN

"Es rauscht die Musik, gar still stand ich ..." Heinrich Heine, die Musik und die Romantik

Stimmungen und Szenen eines unvergeßlich zauberhaften Novemberabends im Saal Peter von Cornelius des Steigenberger Parkhotels, der Heinrich Heine gewidmet war, hat unser Bildchronist, HF Rolf Purpar, in bewährter Manier festgehalten. Höhepunkte mit den Geschwistern HF Ekaterina und HF Alexander Kolodochka und HF Dr. Andreas Turnsek, der uns über Brücken zu den Komponisten führte. Seine brillant recherchierten Enthüllungen über Heines Umgang mit den Komponisten seiner Epoche sind als PDF beigefügt.

 

Das Lied von der Loreley ist an Popularität wohl nicht zu überbieten, in aller Munde sozusagen, auch wenn - so die Statistik - rund 2.500 Komponisten in 10.000 Liedern summa summarum zahlreiche Gedichte von Heinrich Heine in Klangwelten verewigt haben. Keinem Dichter ist dies je gelungen, so häufig vertont zu werden. Heines romantische Lyrik zeichnet gewiss eine extrem starke Affinität zur musikalischen Inszenierung aus. Worte, die wohlgeformt förmlich in Klangwerke drängen, melodische Reime, die gesungen werden möchten.

 

Den Geschwistern und HF Ekaterina und Alexander Kolodochka gehörte der musikalische Part des Abends und die Aufmerksamkeit des Auditoriums aus Heine-Freundinnen, Heine-Freunden und Gästen. Vierhändig am Klavier begeisterten und verzauberten sie das Publikum mit ihrer Virtuosität und erhielten für ihre einfühlsam intonierten Darbietungen Szenenapplaus nach jedem Stück und Standing-Ovations nach dem Schlussakkord der Zugabe:

Robert Schumann, "Bilder aus Osten", No 1 und No 5

Johannes Brahms, "Souvenire de la Russie", No 2 und No 3

Sergei Rachmaninow, "6 Morceaux op. 11", No 1 und als Zugabe "Walzer" No 4

 

HF Dr. Andreas Turnsek betonte eingangs seiner Reise mit Heine zu den Komponisten, dass Heine, der kein Musikinstrument spielte, die Musik als ein wichtiges Instrument der Aufklärung würdigte. Nun, die Trommel hat er ja geschlagen als Poet der Revolution, so es das Heine-Denkmal von HF Bert Gerresheim offenbart.

 

Ein feines Ohr für die musikalische Qualität von Heines Gedichten hatte der dreizehn Jahre jüngere Robert Schumann, der über 40 Gedichte vertont hat. Seine Zyklen "Liederkreis" und "Dichterliebe" gelten in ihrer einzigartigen Symbiose von Dichtung und Musik als der Höhepunkt des Kunstliedes schlechthin. Gemeinsam ist ihnen das Todesjahr 1856, gemeinsam ist ihnen das Schicksal, das sie mit Düsseldorf verband. Heines Immigration nach Paris, Schumanns verzweifelter Selbstmordversuch, im Rhein zu ertrinken. Begegnet sind sie sich ein einziges Mal, im Frühjahr 1828 in München, wo Heine als Redakteur einer Zeitung engagiert war, wo der achtzehnjährige Schumann während einer Reise durch den Süden Deutschlands Station machte. Zwölf Jahre nach dieser in jeder Hinsicht einmaligen Begegnung komponierte Schumann innerhalb eines Jahres sämtliche Heine-Vertonungen.

 

Johannes Brahms widmete dem Dichter Heine sechs Kompositionen und vertonte die Gedichte "Sommerabend", "Mondenschein", "Mädchenlied", "Ade!", "Frühlingslied" und "In Waldeinsamkeit" aus dem "Buch der Lieder". Sergei Rachmaninow vertonte in seiner Komposition "Sechs Romanzen" drei Gedichte anhand der Übersetzungen des russischen Dichters Alexej Pletschtschejew.

 

Oft wurde schon von den Zeitgenossen Heines räsoniert, dass seine Körpergröße von 1,52 Metern wohl Auslöser seiner Eifersüchteleien und Bissigkeiten Männern gegenüber wäre. Insbesondere gegen den Schönling Franz Liszt, der in den Pariser Salons die Herzen mancher Damen wie die Saiten der Flügel beben ließ. Von Heine stammt der bitterböse Ausdruck "Lisztomanie". Nun muss dem dagegen gehalten werden, dass Napoleon, von Heine verehrt, mit geschätzten 1,60 Metern gleichfalls zu dieser "Größenordnung" zählte. Kleinwüchsig indes waren beide nimmer, da die damalige Durchschnittsgröße der Männerwelt 1,66 Meter betrug. Die Animosität Liszt gegegüber hielt den Klaviervirtuosen und Komponisten jedoch nicht davon ab, Gedichte von Heine zu vertonen. Gleichfalls hinderte die gegenseitige Missachtung Felix Mendelssohn-Bartholdy nicht, Heines Gedicht "Auf den Flügeln des Gesanges" zu vertonen, was Heine mit "es ist keine Melodie drin" mokierte. Heines Lieblingskomponist Giacomo Meyerbeer war auch vor Heines Launen nicht sicher. Da ihm der Komponist die geforderten Tantiemen verweigerte, soll Heine seiner Frau bei der Aufführung von "Hugenotten" das Applaudieren untersagt haben, da Meyerbeer die Schuld trage, Heine sich keine Saisonrobe kaufen konnte, Doch zischen, das solle sie aber nicht. Nun, solch divenhafte Allüren entsprachen dem Zeitgeist eines kultivierten Dandytums.

 

(hb)

 

 

Text_ES_RAUSCHT_DIE_MUSIK.pdf

 

 

 

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