„JEDE ZEIT HAT IHRE AUFGABE,
UND DURCH DIE LÖSUNG DERSELBEN RÜCKT DIE MENSCHHEIT WEITER.“
HEINRICH HEINE

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Mo 05. Sep 2022
Ab 18:30 Uhr im Saal Peter von Cornelius des Steigenberger PH ANMELDUNGEN ERBETEN

"Wenn Kinder trauern. Wie Plüschbären nach Todeserfahrungen helfen"

Die "Erste Hilfe für die Seele", amtlich Notfall- und Feuerwehrseelsorge, hat HF Pfarrer Olaf Schaper vor 25 Jahren hier in Düsseldorf ins Leben gerufen. Das weiß HF Dr. Andreas Turnsek in bester Erinnerung, da er damals über dieses Ereignis mit einem Beitrag für WDR Lokalzeit berichtet hat und seitdem in freundschaftlicher Beziehung zu Olaf Schaper steht. Mit diesem Hinweis begrüßte Dr. Andreas Turnsek die anwesenden HF und Gäste im Peter-von-Cornelius-Saal des Steigenberger und stellte die Vortragenden des Abends vor, das Team von Olaf Schaper. Trauerbegleiterin Birgit Mahlke, ehrenamtliche Mitarbeiterin des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes, und Hauptbrandmeister Michael Pehl von der Berufsfeuerwehr Düsseldorf, in dritter Generation Feuerwehrmann.

 

Das Aufgabenspektrum ist breit gefächert, jeder Einsatz ist bei aller in fünfundzwanzig Jahren gewonnenen Routine und Professionalität stets eine neue Herausforderung, wenn es darum geht, Menschen hilfreich mit viel Fingerspitzengefühl und Empathie beizustehen, die unter Schock stehen, traumatisiert sind, weil sie einen Angehörigen verloren haben, Augenzeugen eines schrecklichen Unfalls waren oder einen Suizid miterleben mussten. Es sind nicht nur Hinterbliebene und Augenzeugen, es sind auch Polizisten, Sanitäter, Feuerwehrleute, denen in solchen Ausnahmesituationen Hilfe zuteilwerden muss.

 

Dieses Hilfsangebot gibt es rund um die Uhr, rund um  die Woche, 24/7. Informiert wird das Team von den Rettungsdiensten, Feuerwehr und Polizei mit einem Pieper. Nach Rücksprache mit der Leitstelle fahren sie zur Einsatzstelle, um sich vor Ort um Menschen in seelischer Not intensiv zu kümmern. Auch begleiten sie die Polizei zu Hinterbliebenen, um ihnen die traurige Nachricht vom Tod eines geliebten Menschen zu überbringen. Einen Schwerpunkt ihrer Trauerbewältigungsarbeit bildet die seelische Betreuung von Kindern im Alter von sechs bis dreizehn Jahren, die plötzlich Halbwaise geworden sind oder ein Geschwister verloren haben. Der Luca-Teddybär ist nicht nur Symbol dieses Projekts, er ist auch ein haptischer Trostspender in dieser ersten Phase des Verlustes. Neben der Akutbegleitung fürs Abschiednehmen und die Bestattung bietet das Team die Lucabären-Gruppe an. In der Gruppe lernen Kinder gleichen Schicksals sich kennen, werden aus ihrer tragischen und traumatischen Isolation in ein Gemeinschaftserleben versetzt, das ihnen im Austausch ihrer Emotionen und Gedanken im Rahmen gemeinsamer Aktivitäten, wie z.B. Pizzabacken in der Feuerwehrwache, zu neuer Zuversicht und Lebensstärke verhilft. Die Trauerbegleitung erfolgt diskret, ehrenamtlich, überkonfessionell und ökumenisch.

 

Ihren Arbeitsalltag schilderten Olaf Schaper, Birgit Mahlke und Michael Pehl in bewegenden Berichten über erfahrene Einsätze in  der fünfundzwanzigjährigen Erfolgsgeschichte der "Erste  Hilfe für die Seele". Jeder Einsatz ist eine Singularität, erfordert ein Höchstmaß an Sensibilität, situationsbezogener Kommunikation, Geduld und die Fähigkeit, Kummer und Schmerz bei diesen tragischen Schicksalsschlägem zu lindern. Zum Abschluss trugen die drei abwechselnd kurze literarische Texte vor, die über Tod und Abschiednehmen handeln und die sie als verbale Trostspender den betroffenen Menschen vorlesen. Bewegende Worte, die in den Stunden schier auswegloser Verzweiflung und seelischer Schmerzen eine Brücke ins Leben stiften.

 

Tiefe Betroffenheit bewirkten die Berichte und Schilderungen über den ehrenamtlichen und höchst ehrenvollen Dienst der Notfallseelsorger. Der Applaus war ein Zeichen des Danks an und für diese Helden, die meist im Verborgenen ihr selbstauferlegtes Mandat humanitärer Hilfe ausüben.

 

(hb)

 

 

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