„JEDE ZEIT HAT IHRE AUFGABE,
UND DURCH DIE LÖSUNG DERSELBEN RÜCKT DIE MENSCHHEIT WEITER.“
HEINRICH HEINE

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Mo 07. Jun 2021

"Führungskräfte müssen ihren Führungsstil ändern" • Ein virtueller Jour fixe (FOTOGALERIE)

Zweimal musste HF Andreas Buhr wegen der Pandemie seinen Vortrag im Steigenberger Parkhotel verschieben. Um im dritten Anlauf endlich sein gestecktes Ziel und möglichst viele HF an der Pandemie vorbei zu erreichen, wendete es realdialektisch die Not zur Tugend und bot seinen Beitrag dem HHK als Videokonferenz an.

 

Ein Novum für den HHK, einen Jour fixe virtuell über die Bühne gehen zu lassen. Für den Referenten, Gründer und CEO der Buhr & Team Akademie für Führung und Vertrieb AG in Düsseldorf, indes ein Kinderspiel, da er als professioneller Vortragender und Trainer seit geraumer Zeit mit fundierter digitaler Expertise seine Kommunikationsauftritte in Seminaren und Workshop live-online durchführt und sie auch in Livestreams anbietet. So auch live-online am Abend des 7. Juni 2021 mit dem Thema „Wenn Old-School-Führung auf New-Work-Leadership trifft.“ So viel sei hier schon zur Einstimmung und Navigation vorweg gesagt: Die digitale Transformation, in Deutschland noch ein Stiefkind, bildet quasi den Hintergrund als Basso continuo für den erforderlichen Wandel im Führungsstil. Auf die lange Bank schieben lässt sich das längst nicht mehr, da die Pandemie als Katalysator mit Home-Office und Web-Meetings einen Beschleunigungsschub bewirkt und statt labormäßiger Simulation von Arbeit 4.0 bereits disruptiv die knallharte Echtzeit aus dem Stand eingeläutet hat. Hinzu kommt, dass der Nachwuchs für die Unternehmen und folglich auch künftige Führungskräfte sich aus den Gen Y, den Millennials, und Gen Z rekrutieren, die Digital Natives, die gänzlich anders „ticken“. Andreas Buhr hat für diesen Change den passenden Begriff Revolution gewählt, die in der Luft liegt. Dabei denken wir aber nicht an die Bastille oder den Winterpalast. Wir denken dabei vielmehr an die kopernikanische Revolution, die einen Paradigmenwechsel bewirkt hat. E pur si muove (Galilei).

 

Gegen 19:00 Uhr waren alle 25 angemeldeten HF eingeloggt, sodass HF Dr. Andreas Turnsek als Vorstand die Video-Premiere eröffnen konnte, die zugeschalteten HF begrüßte und in einleitenden Worten den Vortragenden vorstellte und auf die Bedeutung des Themas hinwies. Für den einen oder anderen Video-Novizen gewiss gewöhnungsbedürftig, statt in geselliger Runde im vertrauten Ambiente der Säle Heinrich Heine oder Peter von Cornelius nun physisch isoliert und meist in casual wear im Home-Office oder in der guten Stube einem Vortrag beizuwohnen. Der Bildschirm bot wenig Platz, nicht das gewohnte Panorama, sodass man den einen oder anderen HF im Thumbnail-Format in seinem häuslichen Milieu erkennen konnte. Das Einanderzuwinken erinnerte an die Gründerjahre des Fernsehens, wo viele Menschen anderen Menschen an den Empfängern zuwinkten, sobald sie im Fokus einer Kamera sich wähnten. Während des Vortrags blieben die Mikros stummgeschaltet, im Mute-Modus fehlte das übliche Hintergrundrauschen, das indes von Vorteil war, weil beispielweise das um Aufmerksamkeit heischende Miauen des Katers von Unterzeichner den Vortrag nicht kommentieren konnte. Irgendwann hatte man sich an die Bildregie gewöhnt, die dem Vortragenden und später den Diskutanten jeweils den größten Bildausschnitt zukommen ließ. Zoom, weil ganz nah herangebracht.

 

Der brillante Vortrag kann und soll schon wegen der Fülle von Informationen hier nicht repetiert werden, sodass sich der Bericht auf einige Facetten beschränkt. #revolutionjabitte, so die Ouvertüre auf der Startfolie, die ein Hashtag zeigt, eine Art Schlagwort als Link, der lexikalisch zum Thema leitet. Die nächste Folie verrät im Bild, wohin die Reise geht, Gen Y versus Babyboomer, ein Duell der Generationen, links der Revoluzzer, Prof. Dr. Florian Feltes, Partner on job, rechts das Ancien Régime, Andreas Buhr. Basis für den kritischen, konstruktiven Disput war eine von Buhr & Team in Auftrag gegebene Studie zum Führungsverhalten der Digital Natives, „(Wie) führt die Generation Why anders?“, die von Prof. Dr. Feltes und Prof. Charles Max von der Universität Luxemburg durchgeführt wurde. Zwischen 2014 und 2016 wurde 2.500 Teilnehmer befragt, davon wurden 1.028 (406 Führungskräfte und 622 Mitarbeiter) ausgewertet, die in einem Unternehmen mit über 50 Mitarbeitern tätig sind. Antworten auf drei Leitfragen ergaben erhellende Aufschlüsse. (1.) Welche Verhaltensweisen und resultierende Führungsstile kennzeichnen Mitarbeiterführung durch Gen Y-Führungskräfte. (2.) Wie nutzen Gen Y-Führungskräfte in der Mitarbeiterführung Social Media. (3.) Welche Zusammenhänge bestehen zwischen Führungsstil und Social-Media-Nutzung. Zur Disposition standen vier Führungsverhalten: zielorientiert, personenorientiert, transaktional und transformational.

 

Es braucht nicht den Blick in die Kristallkugel, um zu erahnen, wie Führungskräfte der Gen Y Führungsstil und Führungsverhalten charakterisieren. Hatte uns doch Andreas Buhr mit plakativen Charts mit dem Werteuniversum der Gen Y und auch Gen Z konfrontiert. Die Boomer sind irgendwie ins gemachte Bett gekommen. Gen Silent hatte nach dem Krieg Deutschland wieder aufgebaut und die Wirtschaft auf Hochtouren gefahren, was heute noch als Wunder gilt. Sich einfach in diese Erfolgsstruktur integrieren, deren Treiber Fortschritt und Wachstum waren, hier und da anpassen und optimieren. Keine Experimente also. Es lief doch superb. Gen Y war angesichts veränderter sozialer, ökonomischer und ökologischer Rahmenbedingen schon kritisch und hinterfragte das System. Hinzu kam die exponentielle Entwicklung der IT und ihrer vielen Anwendungen. Die analoge Welt schickte sich an, über kurz oder lang der Götterdämmerung anheim zu fallen. Mit Gen Z kam das Remake der Individualität, also Familie, Freundschaft und Gesundheit, Sinn in der sicheren Arbeitsstelle, Work-Life-Separation, Freiheit, Multikulturalität und Diversität, was manchem prima vista wie Biedermeier anmutet.

 

 

Wie schätzen sich Führungskräfte Gen Y ein? „Mich motiviert, Führung zu übernehmen, wenn ich sehe, dass die Leute sich weiterentwickeln, wenn der Laden halt funktioniert, wenn die Kunden halt glücklich rausgehen, weil unser Service gut funktioniert. Und das ist letztlich auch meine Leistung dahinter, weil ich die Sachen organisiere und die Mitarbeiter auch schule. Mein Führungsstil ist klassisch: Kompetenz, Selbstorganisation, Teamorganisation, Social Skills sind wichtig.“ Oder auch: „Deine Mitarbeiter müssen sich mit deinen Werten identifizieren können. Sie müssen das mögen, was sie tun. Ich glaube, das ist in der Führung das Allerwichtigste: Dass du die Menschen auf die richtigen Positionen setzt, dann haben sie eine riesige Eigenmotivation. Ich find es wichtig, so hierarchielos wie möglich zu gestalten und zu führen. Der grundlegende Wert ist ‚der Mensch zählt’ und das steht über allem. Bei jeder Situation müssen sich alle Mitarbeiter fragen: Zielt die Entscheidung, die ich gerade treffe darauf ab – oder kommt der Mensch zu kurz und wird dem wirtschaftlichen Zweck untergeordnet. Das darf nicht passieren, das wiederspricht komplett unserer Idee, das widerspricht dem, was wir glauben.“ In diesem Sinne resümiert auch Prof. Dr. Feltes die Ergebnisse der Studie: „Die Gen Y führt hierarchieloser, expertise-bezogener, mit mehr Feedback und unter Einsatz neuer Medien und Technologien. Wenn nicht wir die Chance haben, Change einzuleiten, wer dann? Aber dafür müssen Unternehmen bereit sein, ihre ‚grauen Anzüge’ abzulegen und smart statt hart oder gar nicht zu führen, gerne helfen wir dabei und zeigen wie es funktionieren kann. Die Antwort, ‚So haben wir das noch nie gemacht‘ gilt nicht mehr, weil es das ‚wie wir es machen‘ vor der digitalen Transformation und dem Einzug der Social Media in die Unternehmen schlicht noch nicht gab.“

 

 

Viel Applaus spendete das online-Auditorium vor allem durch rege Beiträge in der Fragerunde, die noch 30 Minuten in Anspruch nahm. Ein Reizthema fürwahr, sodass es sich insbesondere um die Frage der Fähigkeit der neuen Führungskräfte drehte, Verantwortung zu übernehmen. Andreas Buhr hatte im Vortrag erwähnt, die seien schlauer als ihre Lehrer. Das erinnert Unterzeichner, Gen Silent, an die Debatten ab 1968 an den wenigen Universitäten des Landes. „Unter den Talaren, ..“ Eine kleine studentische Revolution, die im Zusammenhang mit dem Diktum von Picht, „Bildungskatastrophe“, dazu geführt hatte, dass der Studienbetrieb reformiert wurde und viele neue Hochschulen und Fachhochschulen gegründet wurden.

 

 

Das Schlusswort hatte Dr. Andreas Turnsek, der Andreas Buhr für seinen ausgezeichneten Vortrag dankte, BJM für die Organisation seinen Dank aussprach, kurz die Jour Fixe-Agenda 2020 vorstellte, allen online-HF für ihre Teilnahme und ihre Diskussionsbeiträge dankte, bevor Zoom von den Bildschirmen verschwand.

 

(hb)

 

BJM hat während der Videokonferenz einige Szenen mit Screenshots für die Dokumentation festgehalten. Für Unterzeichner ein Indiz, dass Vertreter von Old-School, also Gen Z, durchaus noch in der Lage sind, professionell mit den neuen digitalen Tools umgehen zu können, hier simultan im laufenden Verfahren Momente des Verfahrens als Standbild aufzuzeichnen. Voila!

 

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