„JEDE ZEIT HAT IHRE AUFGABE,
UND DURCH DIE LÖSUNG DERSELBEN RÜCKT DIE MENSCHHEIT WEITER.“
HEINRICH HEINE

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Mo 11. Nov 2019

"KURT TUCHOLSKY UND DIE FRAUEN" - EIN UNVERGESSLICHER ABEND AM VORABEND DER SCHRECKENSNACHT VOR 81 JAHREN

Freitag, 8. November 2019. 19 Uhr. Haus der Universität (HdU) am Schadowplatz. "Tucholsky und die Frauen". Ausverkauft. Gegen 21 Uhr. Nicht enden wollender Applaus, Bravorufe, eine Zugabe, Vorhänge. Ein fulminanter Auftritt von HF Stephanie-Marie und HF Dr. Andreas Turnsek mit ihrem musikalischen Ensemble hatte ein anspruchvolles Publikum hörbar und sichtbar begeistert. Nur langsam bewegten sich die ersten Besucher treppaufwärts zum Empfang, wo Wein und Brot gereicht wurden.

 

Im Programm des HdU nicht annonciert, waren die knapp 160 Plätze schnell reserviert. Mundpropaganda. Geboten wurde, wie bereits mit "Heine und die Frauen", eine musikalisch begleitete Lesung im eigenständigen Turnsek-Format. Audiovisuell, denn zum gesprochenen Wort und den musikalischen Aufführungen gesellten sich die zeitgenössischen Fotos der Tucholsky-Frauen. Wirkten wie ein Bühnenbild auf der großen Wandfläche hinter der Bühne. Bis auf eine, die sich nie hat ablichten lassen. Geheimnisvoll. In dieser medialen Vielfalt lebten Geist und Stimmung der 20-er und frühen 30-er Jahre wieder auf. Authentisch hat Dr. Andreas Turnsek den Mann Kurt Tucholsky anhand seiner Lieb- und Leidenschaften dem Publikum nahe gebracht, nicht literaturkritisch seziert, nicht psychoanalysiert. Nein, im Zwiegespräch von Tucholsky mit Tucholsky den Ehemann und Verehrer extravaganter Frauen inszeniert, manifest nicht nur in "Rheinsberg" und "Schloss Gripsholm". Gudrun Salger mit dem Akkordeon und Jessica Keuther mit der Violine instrumentierten brillant das musikalische Medium für die klangvolle Stimme von Stephanie-Marie Turnsek, die mit ihren Liedern das Auditorium verzauberte. Die Musik für einige als Lieder vorgetragene Gedichte wurde eigens von Gudrun Salger komponiert. Stilvoll die Garderobe der Künstler, a touch of the roaring twenties. Der Ausklang, das Schicksal der Angehörigen von Tucholsky, die in KZ ihr Leben ließen, erzeugte Berührtheit und Betroffenheit. Angesichts signifikanter Strömungen des wieder erwachenden "Völkischen" ein pointierter Appell zur Wachsamtkeit, ganz im Sinne des aufklärerischen Mahners Heinrich Heine.

 

Es gibt ein Da capo: Welfrauentag 8. März 2020, 17 Uhr, "Nordkap" in Einbrungen, Heinrich-Wahlbröhl-Weg 10. Kartenvorbestellung unter 0211.5665 2104. Nicht lange überlegen.

 

(hb)

 

v.l.n.r.: Gudrun Salger, Stephanie-Marie Turnsek, Jessica Keuther, Dr. Andreas Turnsek, Dr. Anja Vervoorts (Gleichstellungsbeauftragte der HHU)

 

 

 

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